7 Gründe, warum ich es liebe, für andere zu kochen

Dass ich gerne koche, dürfte für die meisten Menschen, die mich kennen, keine große Überraschung sein. Kochen begleitet mich schließlich schon fast mein ganzes Leben. Dass ich allerdings irgendwann beruflich in den Küchen anderer Menschen stehen würde, war so überhaupt nicht geplant.
Eine klassische Kochausbildung wollte ich nie machen – und trotzdem bin ich heute ausgebildete Ayurveda- und Wochenbettköchin. Irgendwie hat sich das Kochen also seinen Platz in meinem Leben selbst gesucht.
Und wenn ich heute darüber nachdenke, warum ich so gerne für andere Menschen koche, gibt es darauf nicht nur eine Antwort. Sondern mindestens sieben.
Gutes Kochen wurde mir quasi in die Wiege gelegt
Meine Liebe zum Kochen begann ziemlich früh. Meine Mutter hat immer viel gekocht und gebacken – und wir Kinder waren mittendrin. Schürze an und los ging's. Für uns gab es kleine Kindermesser und Kochlöffel, wir schnippelten Gemüse, hobelten Mandeln und halfen bei allem mit, was wir schon selbst machen konnten.
In den Ferien ging es regelmäßig zu meiner Oma nach Bayern. Sie leitete die Küche im damaligen Krankenhaus in Abensberg und für mich als Kind war das eine ziemlich beeindruckende Welt. Riesige Öfen, große Töpfe und überall brodelte und brutzelte etwas. Ein Highlight war für mich auch der Kräutergarten. Frische Kräuter gehörten bei meiner Oma ganz selbstverständlich zum Kochen. Kaum ein Gericht kam ohne sie aus.
Als ich später meine erste eigene Wohnung hatte, war meine Küche deutlich weniger imposant. Ein Zwei-Platten-Herd musste reichen. Darauf entstanden meine ersten eigenen Gerichte. Ich probierte aus, improvisierte und kochte mich Stück für Stück an immer mehr heran.
Eine klassische Kochausbildung wollte ich trotzdem nie machen. Das Kochen aber ist geblieben. Dass ich viele Jahre später mein eigenes kleines Unternehmen gründen und professionell für andere Menschen kochen würde, hätte ich damals an meinem Zwei-Platten-Herd vermutlich selbst nicht geglaubt.
„Da ist nichts im Kühlschrank“ nehme ich als Herausforderung
Wenn ich meinen Mann frage: „Was sollen wir heute kochen?“, bekomme ich inzwischen meistens eine Gegenfrage: „Was ist denn noch da?“ – Er kennt mich eben.
Also Kühlschranktür auf und erst einmal schauen: Welches Gemüse sollte dringend verarbeitet werden? Was haben wir noch an Kräutern, Getreide, Hülsenfrüchten oder anderen Vorräten? Und dann fängt es in meinem Kopf schon an. Aus den einzelnen Zutaten wird langsam ein Gericht. Ich kombiniere, verwerfe wieder, überlege, welche Gewürze passen könnten – und meistens steht die Idee ziemlich schnell. Ein Rezept brauche ich dafür nicht unbedingt. Fehlt etwas, das eigentlich hineingehört? Dann wird eben improvisiert. Und manchmal entsteht gerade dadurch etwas, auf das ich mit Rezept wahrscheinlich nie gekommen wäre. Aus vermeintlich „nichts“ etwas richtig Gutes zu kochen, macht mir bis heute unglaublich viel Spaß.
Für einen guten Hofladen fahre ich notfalls auch nach England
Ausgiebige Besuche auf Wochenmärkten und in Hofläden könnte ich inzwischen fast als Hobby bezeichnen. Sie gehören bei mir sogar im Urlaub fest zum Programm, wie für andere der Museumsbesuch.
Und manchmal treibe ich es vielleicht ein kleines bisschen auf die Spitze.
Wir sind tatsächlich schon einmal spontan nach England gefahren, weil mein Vorrat an geräuchertem Quinoa von Hodmedod's und verschiedenen Saucen von der Garlic Farm zur Neige ging. Beides war hier nicht zu bekommen. Für mich damals offenbar ein vollkommen ausreichender Grund, nach England zu fahren.
Aber eigentlich braucht es gar keine außergewöhnlichen Spezialitäten, um mich zu begeistern. Ein Hofladen oder Markt mit einer richtig schönen Auslage voller frischem, saisonalem Obst und Gemüse reicht vollkommen. Die Farben, die Frische, der Duft – und schon entstehen in meinem Kopf die ersten Gerichte. Was könnte ich daraus machen? Was passt dazu? Welche Gewürze?
„From farm to table“ trifft ziemlich gut, was ich am Kochen liebe: gute Lebensmittel, möglichst nah an ihrem Ursprung. Vielleicht ist es deshalb auch kein Zufall, dass ich inzwischen meinen eigenen kleinen Acker habe. Aussäen, wachsen sehen, ernten und am Ende mit dem kochen, was dort tatsächlich gewachsen ist – näher komme ich meinen Lebensmitteln kaum.
Für neue Rezeptideen brauche ich deshalb nicht unbedingt ein Kochbuch. Ein gut bestückter Marktstand – oder inzwischen mein eigener Acker – reicht mir meistens vollkommen.

Beim Kochen beginnt für mich der Genuss lange vor dem ersten Bissen
Für mich ist beim Kochen nicht erst das fertige Gericht das Spannende. Ich mag den ganzen Prozess – vom ersten Schnitt bis zum Anrichten. Gemüse schneiden, Zutaten vorbereiten, Getreide anrösten, Gewürze kombinieren – all diese Arbeitsschritte machen für mich das Kochen aus. Beim Schnippeln kann ich vollkommen die Zeit vergessen. Dann bin ich einfach bei dem, was gerade vor mir auf dem Schneidebrett liegt.
Und dann die Gewürze.
Wenn z.B. Koriander, Kreuzkümmel, Fenchel oder Senfsaat in die warme Pfanne kommen, verändert sich innerhalb kürzester Zeit der Duft. Spätestens wenn ich sie anschließend im Mörser zerstoße, erfüllt das Aroma die ganze Küche. Diese Duftexplosion ist für mich jedes Mal wieder großartig.
Am Ende kommt das Abschmecken. Und jetzt geht es um die Details, die aus einem guten Gericht ein richtig gutes machen. Fehlt noch etwas Säure, die das Gericht auf das nächste Level hebt? Noch eine Prise Salz, damit es wirklich rund wird? Vielleicht frische Kräuter oder ein paar geröstete Kerne und Saaten für etwas Biss?
Gewürze kommen mir jetzt übrigens nicht mehr in den Topf. Dafür ist es zu spät – die hatten ihren Auftritt viel früher.
Und wenn geschmacklich alles stimmt, darf es auch noch schön aussehen. Anrichten auf schönem Geschirr, dazu frische Kräuter und vielleicht ein paar essbare Blüten. Schließlich isst das Auge ja bekannt mit.

Lange dachte ich: Ayurveda ist mir viel zu kompliziert
Mit Ayurveda und der ayurvedischen Küche hatte ich mich schon viele Jahre beschäftigt, bevor ich wirklich tiefer eingestiegen bin. Nur gekocht habe ich danach nie.
Zu kompliziert. Nicht alltagstauglich. Zu viele exotische Zutaten. Ausreden hatte ich genug.
Und zumindest aus meiner damaligen Sicht waren sie nicht völlig aus der Luft gegriffen. Wenn ich ältere Ayurveda-Kochbücher aufschlug, hatte ich häufig das Gefühl, erst einmal eine halbe Einkaufsliste spezieller Zutaten im Internet bestellen zu müssen, bevor ich überhaupt anfangen konnte. Wie sich ayurvedisches Kochen unkompliziert in meinen Alltag integrieren lassen sollte, konnte ich mir damals einfach nicht vorstellen.
Mit der Zeit kam aber Bewegung in die ayurvedische Küche. Traditionelle Prinzipien wurden zunehmend auf unsere Lebenswelt übertragen – mit Lebensmitteln, die hier wachsen, unseren Jahreszeiten und einem ganz normalen Alltag. Ayurvedische Küche bedeutet nämlich nicht automatisch indische Küche – auch wenn beides häufig miteinander gleichgesetzt wird. Für mich war genau diese Entwicklung ein echter Gamechanger.
Heute schaue ich beim Kochen ganz selbstverständlich darauf, was bei uns wächst und gerade Saison hat. Kürbis, Rote Bete oder Fenchel dürfen also sehr gerne vom Acker nebenan kommen. Und selbst bei den vermeintlich exotischen Gewürzen lohnt sich ein zweiter Blick. Zimt, Fenchel, Kümmel oder Koriander sind schließlich keine Neulinge in unseren Küchen.
Genau das ist die ayurvedische Küche, die ich heute liebe: alltagstauglich, saisonal und mit Lebensmitteln, die nicht erst um die halbe Welt reisen müssen.
Ayurveda hat mir gezeigt: „Gesund“ ist nicht für jeden dasselbe
Dass Ayurveda irgendwann einen so großen Einfluss auf meine eigene Art zu kochen haben würde, hatte auch einen sehr persönlichen Grund.
Ich war ziemlich lange überzeugt davon, mich gesund zu ernähren. Gleichzeitig ging es mir gesundheitlich nicht gut und die bisherigen Ansätze hatten mich nicht wirklich weitergebracht. An meiner Ernährung konnte es doch eigentlich nicht liegen – schließlich aß ich gesund. Dachte ich zumindest.
Joghurt mit Obst zum Frühstück. Rohkost-Salat zum Mittag. Was sollte daran bitte nicht gesund sein?
Irgendwann wollte ich genauer verstehen, warum es mir trotz meiner vermeintlich gesunden Ernährung nicht gut ging. Deshalb entschied ich mich für ein sechswöchiges Ayurveda-Coaching bei Dr. Alina Hübecker. Dabei wurde sehr genau hingeschaut: Welches Dosha war bei mir aus dem Gleichgewicht? Wie sah mein Alltag aus? Und vor allem: Was und wie aß ich eigentlich jeden Tag?
Bei meiner Aufzählung wurde ziemlich schnell klar, dass meine Ernährung eine größere Rolle spielte, als ich bis dahin angenommen hatte. Und damit kam für mich eine Erkenntnis, die zunächst ziemlich banal klingt: „Gesund“ und „tut mir gut“ sind nicht zwangsläufig dasselbe.
Also fing ich an, einiges zu verändern. Mein schnelles Frühstück mit Joghurt und kaltem Obst wurde durch einen warmen Frühstücksbrei mit gedünstetem Obst ersetzt. Überhaupt bekamen warme Mahlzeiten einen viel größeren Stellenwert. Und ich merkte ziemlich schnell einen Unterschied. Ich fühlte mich energiegeladener und bemerkte auch Veränderungen bei Beschwerden, die mich vorher begleitet hatten. Diese Erfahrung war für mich ein echter Wendepunkt. Ich wollte viel genauer verstehen, welchen Einfluss unsere Ernährung auf unser Wohlbefinden haben kann. Aus meinem Interesse an Ayurveda wurde der Wunsch, tiefer in die ayurvedische Küche einzusteigen – und schließlich die Entscheidung für meine Ausbildung zur Ayurveda-Köchin an der Rosenberg Akademie.
Meine eigene Erfahrung prägt bis heute, wie ich für andere Menschen koche. Denn nur weil mir etwas guttut, muss es für den nächsten Menschen noch lange nicht das Richtige sein.
Wenn ich für andere koche, möchte ich deshalb niemandem meine eigene Ernährung überstülpen. Ich möchte wissen: Wer sitzt da eigentlich vor mir? Was mag dieser Mensch? Was passt zu seinem Alltag und seiner Lebenssituation?
Und dann soll es am Ende vor allem eines: richtig gut schmecken.
Der erste Bissen entscheidet
Wenn ich für jemanden zum ersten Mal koche, bin ich immer ein bisschen angespannt. Denn im Gegensatz zu meiner Familie oder meinen Freunden kenne ich den Geschmack dieses Menschen noch nicht.
Natürlich versuche ich vorher, so viel wie möglich herauszufinden. Im Erstgespräch frage ich nach Allergien und Unverträglichkeiten, aber vor allem auch: Was isst du gerne? Was überhaupt nicht? Gibt es ein Lieblingsgericht? Wie sieht deine Ernährung normalerweise aus?
Und manchmal fängt für mich genau da die eigentliche Herausforderung an. Vielleicht gibt es ein Lieblingsgericht, bei dem ich sofort denke: Das müsste sich doch auch ayurvedisch interpretieren lassen. Dann überlege ich, wie ich es bekömmlicher gestalten kann, ohne ihm dabei seinen eigentlichen Charakter zu nehmen. Denn am Ende soll es immer noch genau das sein: ein Gericht, auf das man sich freut.
Bei meiner Familie und meinen Freunden habe ich es leicht. Deren Geschmack kenne ich inzwischen ziemlich genau. Bei einem fremden Menschen bleibt dagegen bis zum Schluss diese kleine Unsicherheit: Habe ich den Geschmack wirklich getroffen?
Und dann kommt der erste Bissen. Ich schaue wahrscheinlich gespannter ins Gesicht meines Gegenübers, als mir lieb ist. Und wenn dann ein „Oh mein Gott, ist das lecker!“ kommt oder ein überraschter Satz wie „Ich hätte nie gedacht, dass mir das schmeckt“, ist das für mich jedes Mal ein besonderer Moment.
Denn genau darum geht es mir beim Kochen für andere. Ich möchte nicht einfach nur etwas auf den Tisch stellen, das satt macht. Ich möchte den Geschmack meines Gegenübers treffen und mit meinem Essen einen echten Genussmoment schaffen. Wenn mir das bei einem Menschen gelingt, für den ich vorher noch nie gekocht habe, freut mich das jedes Mal aufs Neue.
In meiner Arbeit als Wochenbettköchin kommt noch etwas anderes dazu: die Entlastung. Die Frauen, für die ich koche, sind erschöpft. Sie haben gerade eine Schwangerschaft hinter sich und ein Kind auf die Welt gebracht. Ihr Alltag steht Kopf und ausgerechnet jetzt sollen sie sich auch noch Gedanken darüber machen, was sie essen, einkaufen und kochen.
Und genau das nehme ich ihnen für eine Weile ab.
Wenn ich später die Küche wieder verlasse, ist nicht nur für diesen einen Tag gekocht. Im Kühlschrank stehen weitere Gerichte für die nächsten Tage, Gläser sind gefüllt und die Mama weiß: Um mein Essen muss ich mich jetzt erst einmal nicht kümmern.
Wenn sie dann mit ihrem Baby bei sich vor ihrer warmen Suppe sitzt und ich merke, wie gut ihr genau diese Entlastung gerade tut, ist das für mich einer dieser Momente, in denen ich denke: Genau dafür mache ich das.




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